Originelle Entschuldigung gewünscht? Bitte schön!

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Originelle Entschuldigung gewünscht? Bitte schön!

Aus der Redaktion

Lehrerinnen und Lehrer haben in ihrem Berufsleben sicherlich schon eine Vielzahl an Entschuldigungen gelesen und ihr Repertoire an Gründen für das Fernbleiben vom Unterricht vermutlich stetig erweitert. Dabei wird es dem ein oder anderen auch nicht komisch vorkommen, dass es durchaus Exemplare gibt, die durch die Qualitätskontrolle fallen, da die angegebenen Gründe doch eher fadenscheinig sind. Dass es auch ganz anders geht - nämlich mit Ehrlichkeit und einer Begründung, die es so wohl noch nicht gegeben hat - durfte neulich Herr Schön erfahren.

Auf Kubas Jugendinsel ist ein Studium für Ausländer bezahlbar

(07.12.2000 16:10)

Nueva Gerona (dpa) - Auf Kubas Isla de la Juventud hat Fidel Castro Anhänger aus aller Welt. Die «Insel der Jugend» vor der Südküste ist eine Hochburg für Studenten früherer afrikanischer und asiatischer «Bruderländer», aber auch Alma Mater für Lernende aus Lateinamerika und Karibik. Ob überzeugte Sozialisten oder nicht: Die jungen Leute schätzen die Stipendien aus Havanna oder die äußerst preisgünstigen Konditionen an Agrar-, Fach- und Hochschulen. Auf der Insel mit knapp 100 000 Einwohnern und in ihrer Kapitale Nueva Gerona ist die Atmosphäre locker und freundlich.
Wer zwischen Kirchlein am Parque Guerillero Heroico und Einkaufsboulevard bummelt, trifft gut gelaunte Jugendliche und kaum Polizei- und Sicherheitskräfte. In Havanna sind die Ordnungshüter dagegen an jeder dritten Straßenecke postiert. Schulkinder posieren im Park Geronas ungezwungen fürs Touristenfoto. Tags wird gebüffelt. Nachts wird gefeiert in Theaterclubs, Bars und Discotheken.
Im «Cabaret El Patio» klingen Salsastimmen und Rumgläser. Peter Kufahakuraye (24) aus Harare sagt zur Finanzierung seines Studiums: «Ich zahle fast gar nichts. Kubas Regierung ist sehr großzügig.» Ein Kommilitone aus Simbabwe ergänzt: «Später wollen wir zurück nach Afrika und helfen. Mein Volk und meine Familie sollen stolz auf mich sein.» Die anderen nicken.
Die Studenten am Tresen stammen aus Angola, Mosambik, Tansania. Sie wollen Agrar-Ökonom, Elektroingenieur oder Arzt werden. Kuba hat bei vielen jungen Leuten in der Karibik, Zentral- und Südamerika einen guten Ruf, weniger wegen des politischen Systems. Aber auch Nichtsozialisten freuen sich, wenn Fidel Castro der Supermacht USA bisweilen Grenzen aufzeigt und Tourismusexperten und Ärzte als Berater und Katastrophenhelfer in Länder wie Guatemala, Honduras und El Salvador schickt.
Die 20-jährige Sheryl von der Karibikinsel St. Lucia sagt: «Ein Studium in den USA kann ich mir nicht leisten.» Aber Gebühren, Bücher und Lebensunterhalt seien auf Kuba bezahlbar, die Professoren gut, die Menschen freundlich. So kann auch der zur Universität, der kein Stipendium hat. Ein bisschen ärgert es die Gäste, dass sie bei manchen Verkehrsmitteln «Devisenausländer» sind. Der Bus von Havanna an die Küste nach Batabano kostet für alle 2,50 Peso, die Schnellfähre auf die Jugendinsel elf Peso für Kubaner und elf US Dollar für fast alle Ausländer. In der Casa de Cambio gibt es für einen Dollar meist gut 20 Peso.
Am Pier von Gerona mischen sich Studenten, Schüler, Hafenarbeiter, Urlauber und Vermieter von Casas Particulares, wie die Privatunterkünfte heißen. Doppelzimmer mit Dusche gibt es für Touristen ab 15 US Dollar (rund 33 Mark). Früher studierten auf der Isla noch mehr Jugendliche. Doch nach dem Untergang des Sozialismus in Europa und einer schweren kubanischen Wirtschaftskrise musste die Regierung auch Abstriche bei den Universitäten und bei den Stipendien machen. Bis zu 20 000 Cubanos und Ausländer studierten in den achtziger Jahren auf der Isla, die früher auch «Schatzinsel» und «Gefängnisinsel» genannt wurde. Auch Castro und Mitstreiter waren nach dem gescheiterten Angriff auf die Kaserne Moncada in Santiago 1953 in Inselhaft. Heute soll die Isla nur noch knapp 10 000 kubanische und ausländische Studenten haben.